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Brieffälschungen auf Auktionen

Brieffälschungen aus dem dreistelligen Bereich

 

Diese gewählte Überschrift bedarf der Erklärung. Es ist nicht die Anzahl der hergestellten Fälschungen gemeint. Nein, der oder die Fälscher haben sich eine Kategorie von Brieffälschungen ausgewählt, wo der Sammler bereit ist, auch schon einmal einen dreistelligen Betrag zu investieren.
Erinnert sei auf die vor nicht allzu langer Zeit vorgestellten Brieffälschungen, die bei Ebay vertrieben werden. Die Preise liegen dort im „Ebay- Bereich“. Die hier vorgestellten Brieffälschungen sind in Auktionen zu finden, die ein Angebot „DDR- Spezial“ regelmäßig offerieren. Somit auch die entsprechende Käuferschaft anziehen.
Gewählt werden nicht „alltägliche“ Versendungsformen in Kombination mit nicht „alltäglichen“ Frankaturen.

 

Abb. 1: Portogerechte Drucksache bis 20 g

 

Drucksachen sind offene Briefsendungen, die zu ermäßigter Gebühr befördert wurden. In der Kleinen Dienstanweisung (KlDA) von 1951 war die Bezeichnung „Drucksache“ nicht gefordert. Ab der Postordnung von 1959 sollte die Anschriftseite die Bezeichnung „Drucksache“ tragen. Drucksachen waren bis zum Ende der Deutschen Post möglich.
Die in Abbildung 3 vorgestellte Briefvorderseite erfüllt somit die Vorschrift. Allerdings fällt auf, dass die Adresse akkurat mit einer Schreibmaschine geschrieben wurde. Warum nicht auch das Wort Drucksache? Die Drucksache ist durch eine Stempelmaschine geschickt worden, die mit einem Werbeeinsatz „Das DEUTSCHE ROTE KREUZ ruft dich zur MITARBEIT“ ausgestattet war. Der Werbeeinsatz gehört zur Gruppe der Serienstempeleinsätze. Ein solcher war 1953 auch in Brandenburg im Einsatz. Einen Maschinenstempelkopf BRANDENBURG (HAVEL) 1 aa gab es in den fünfziger Jahren und auch im Jahr 1964. Allerdings sind die Stempelköpfe nicht identisch.

 

Abb. 2 und 3: Maschinenstempelkopf aus den fünfziger Jahren und aus 1964

 

Bei näherer Betrachtung des Stempelkopfes auf dem Brief fällt auf, dass der Außenkreis unrund ist. Die Buchstaben und Zahlen sind nicht gleichmäßig. Die Farbe des Stempelkopfes ist nicht identisch mit der Farbe des Werbeeinsatzes. Prüfergebnis: der Stempelkopf ist nachempfunden = gemalt!
Es stellt sich die Frage wie der Brieffälscher vorgegangen ist? Offensichtlich hat sich der oder die Brieffälscher eines beförderten, korrekt frankierten Briefes aus den fünfziger Jahren bedient. Es mag ein ganz normaler Brief, vielleicht ein Fernbrief in der ersten Gewichtsstufe mit einer Frankatur 20 Pf gewesen sein. Die Frankatur wurde entfernt und eventuelle Stempelreste, die auf den Briefumschlag übergingen, ebenso. Der Eckbereich oben und rechts neben der Marke sieht auch etwas „behandelt“ aus. Aus der Sondermarkenserie „Volkstrachten“ wurde die MiNr. 1075 ausgewählt und als nicht alltägliche Frankatur auf dem Brief befestigt. Danach wurde der Stempelkopf wie er 1964 im Einsatz war dazu gemalt. Prüfergebnis war: Brieffälschung und so wurde der Brief mit Stempel falsch geprüft wie die Abbildung zeigt. Damit ist der Brief philatelistisch wertlos. Der oder die Fälscher weisen Stempelkenntnisse nach!

 

Abb. 4: Geschäftspapiere mit Frankatur 15 Pfennig

 

Geschäftspapiere war eine Sendungsart, die in der sowjetischen Besatzungszone ab 1945 und im Postverkehr der DDR bis 1959 zugelassen war. Mit dem Inkrafttreten der Postordnung ab dem 1. August 1959 entfielen die Geschäftspapiere im DDR- Verkehr. Das lässt aufhorchen. Ist doch das Wort Geschäftspapiere deutlich abgedruckt in der gleichen Farbe wie der Absender. Das Stempeljahr ist ebenfalls als „63“ deutlich lesbar. Die Frankatur, die 15 Pf- Wertstufe aus dem Kleinbogen „5 Jahre sowjetische Weltraumflüge“ (MiNr. 928), war postgültig. Was ist das für eine Frankatur(stufe), wenn es die Versandart Geschäftspapiere überhaupt nicht mehr gab? In den Gebührenübersichten sind 15 Pf 1963 nur möglich für Drucksachen und Wirtschaftsdrucksachen bis 100 g. Die Wirtschaftsdrucksache ersetzte ab 1. August 1959 die Versandformen Geschäftspapiere, Warenproben und Mischsendungen. Hier haben sich der oder die Brieffälscher eine „Ungenauigkeit“ erlaubt, die so mancher Philatelist eventuell übersieht angesichts einer schönen Einzelfrankatur aus dem Kleinbogen MiNr. 926 bis 933. Der Stempel ist zudem komplett gemalt. Prüfergebnis war: Brieffälschung zum Schaden der Sammler und so wurde der Brief mit Stempel falsch geprüft wie die Abbildung zeigt. Damit ist auch dieser Brief philatelistisch wertlos.

 

Abb. 5: Auslands- Drucksache bis 50 g

 

Eine Auslands- Drucksache bis 50 g kostete im Stempeljahr 1965 10 Pf. Die Drucksache ist damit portogerecht. Als Frankatur wurden wiederum Marken aus der Sondermarkenserie „Volkstrachten“ ausgewählt: MiNr. 1074 und 1075. Die Entwertung erfolgte diesmal mit einem Postleitzahlstempel, die ab Oktober 1964 im Postdienst eingeführt wurden. Eine genaue Prüfung des Stempels führte zum Ergebnis: komplett gemalt. Prüfergebnis war wieder: Brieffälschung zum Schaden der Sammler und so wurde der Brief ebenfalls mit Stempel falsch geprüft wie die Abbildung zeigt. Auch dieser Brief ist philatelistisch wertlos.

 

Eine Überprüfung von weiteren Briefmerkmalen wie Absender- und Adressangaben konnte entfallen, da die geschilderten Prüfbeweislagen erdrückend waren. Fazit: Bessere Belege mit besseren Einzelfrankaturen bei Verdacht einer Manipulation prüfen lassen.

 

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November 2016

 

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