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News

Die Beiträge werden in jedem Jahr Quartalsweise abgespeichert und können durch anklicken geöffnet werden.

 

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2018/III

MiNr. 522 YII Bedarfsabstempelung

 

Im MICHEL- Spezial 2018 ist bei MiNr. 522 YII nur die Erhaltungsform postfrisch (**) katalogisiert. Von dieser Wasserzeichenvariante sind nur sehr wenige Exemplare bekannt. In der 177. Dresdner Briefmarken Auktion wurde unter Los 3024 eine Marke mit Bedarfsabstempelung angeboten. Im Katalogtext steht u. a.: „es ist das erste gestempelte Exemplar, das mir bekannt ist“. Nun wurde auch dem Prüfbüro erstmalig eine Marke mit Bedarfsabstempelung vorgelegt und bestätigt.

 

 

Vorder- und Rückseite der bestätigten Prüfvorlage
Die Entwertung ist klar erkenn- und prüfbar. Es handelt sich um den Zweikreisstegstempel BERLIN N 4 cd. Das Stempeldatum ist der 7.2.57.-11. Die Aussage, dass im Februar 1957 im Postamt Berlin N 4 ein Bogen MiNr. 522 YII unerkannt im Bedarf verbraucht wurde, ist nicht mit Sicherheit zu tätigen. Die Briefmarke kann auch an einem anderen Postamt erworben worden sein. Die Forschung ist gefragt. Es ist festzuhalten: neben der Erhaltungsform postfrisch ist jetzt die Erhaltungsform Bedarfsabstempelung mit mindestens 2 Marken nachgewiesen!

 

MiNr. 596 gestrichenes Papier

Bei dem Briefmarkendruckpapier mit Wasserzeichen „DDR und Posthorn“ ist davon auszugehen, dass bei jeder Ausgabe, ob Dauerserie oder Sonderausgabe, nur eine Papiersorte zum Druck verwendet werden sollte. Daher ist eine zweite verwendete Papiersorte meist seltener bis selten. Die Ausgabe „Leipziger Herbstmesse 1957“ wurde auf gewöhnlichem Papier gedruckt. Das Druckverfahren war Raster- Tiefdruck. Nun wurde dem Prüfbüro eine Marke mit Druck auf gestrichenem Papier vorgelegt. Die Entwertung stammt von einen Ausgabe bezogenem Sonderstempel in gedruckter Form. Somit handelt es sich um eine philatelistische Entwertung.

 

Vorder- und Rückseite der Prüfvorlage

 

Die jetzige Katalogisierungsform im MICHEL- Spezial des Druckzeitraumes Wasserzeichen „DDR und Posthorn“ und „DDR und Kreuzblumen“ ist solange handhabbar, wenn nur eine Papierart nachgewiesen ist. Bei dieser Ausgabe haben wir es aber mit zwei Arten zu tun: Druck auf gestrichenem Papier und Druck auf gewöhnlichem Papier.

 

Nach jetzigem Katalogisierungsstandard, kann der Druck auf gestrichenem Papier nur als Abart beschrieben und geprüft werden. Die Michel- Redaktion wurde über die Widersprüche informiert und Lösungsvorschläge von den BPP- Prüfern unterbreitet

 

367. Köhler Auktion Los 1965

„Fast schon gruselig sieht die durch unhübsche Signaturen verunzierte 223 c mit DKV 50 G aus. Ratet mal, wer hier seinen Prüfstempel nicht stecken lassen konnte“ ist auf einer Homepage zu lesen, die für solche Kommentare mittlerweile einen unrühmlichen Ruf hat.

 

Bei dem besagten Los handelt sich um die 40 Pf- Wertstufe der Ausgabe „Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Wissenschaft“ mit Wasserzeichen „Kreuzblumen“, MiNr. 223.

 

Vorder- und Rückseite des betreffenden Loses

 

Rückseitig befindet sich an vorgeschriebener Stelle das Prüfzeichen PAUL BPP, Wz. 3 und die Farbbezeichnung „aa“. Die Farbe „aa“ (dunkel- bis schwärzlichpurpur) wurde 2004 in den MICHEL- Spezial aufgenommen. Der MICHEL notierte 2004 120,00 Euro. 2005 waren es 300,00 Euro und 2006 750,00 Euro. Im Jahr 2006 wurde die Prüfung der Ausgabe „Köpfe I“ komplett eingestellt mit der Maßgabe: Diese Serie ist noch einmal komplett zu überarbeiten. Seit der Wiederaufnahme der BPP- Prüfung im Jahr 2012 ist diese Farbvariante unter „c“ katalogisiert. Das Druckerzeichen 50 G ist 2004 ebenfalls gelistet. Katalogisiert wurden die DZ seinerzeit nur in der billigsten Farb- und Gummierungsvariante. Für MiNr. 223 ax DZ waren es 40 MICHEL- Euro. Damit steht fest, dass die Prüfung aus der Farbprüfungsanfangszeit stammt. Es liegt somit eine normale für derartige MICHEL- Notierungen seinerzeit übliche Signierung vor. Abgesehen davon könnte auch der Wunsch vorgelegen haben: „Eine Signatur reicht“. In den BPP- Sonderregelungen zum Prüfgebiet ist unter Punkt 23 seit dem 01.06. 2004 festgelegt: „Bei MiNr. 212/27 erhalten Marken mit Bogenrandbesonderheiten zusätzlich das Prüfzeichen mittig über der Marke zum Bogenrand“. Diese Signatur fehlt. Es sind drei Deutungsvarianten möglich: 1. Die Prüfung erfolgte vor dem 01.06.2004. 2. Bei der Prüfung wurde die Anwendung der Sonderregelung vergessen. 3. Möglicherweise ist das Druckerzeichen (DZ) erst nachdem die Prüfung erfolgte, aufgebracht worden. Dann läge eine Druckerzeichenfälschung vor! Als Käufer dieser Art von Auktionslosen aber auch bei allen sonstigen Käufen sollten Sie auf eine Neuprüfung bestehen, um sich auf der sicheren Seite zu wissen. Die Ausführungen entlarven das Zitat als eine primitive Stimmungsmache ohne jegliche fachliche Substanz. Es könnte auch ironisch gefragt werden, wie denn eine „hübsche“ Prüfsignatur aussieht.

 

Manipulierte Paketkarten

Leider muss immer wieder über manipulierte Belegarten berichtet werden. Bisher wurden Fälschungen von teuren FDC`s und seltenere Einzelfrankaturen vorgestellt und besprochen. Immer mit dem Ziel, Sie auf bestimmte Merkmale aufmerksam zu machen, die zur Vorsicht mahnen und nicht zu sorglos das Portemonnaie öffnen lassen. Diesmal sind es manipulierte Paketkarten.

 

Den Hauptpostämtern (HPÄ) sind Einzelheiten über eine Neuordnung des Paketverfahrens durch Verfügung (Vf.) vom 12.12.1952 PB 1 2191-1/1 mitgeteilt worden. In den Verfügungen und Mitteilungen Jahrgang 1953, 23. Januar 1953, Nummer 4, werden unter „Nr. 23/1953. Formblätter – Neuordnung des Paketverkehrs“ Einzelheiten bekannt gegeben. Für diesen Beitrag ist wichtig 1. Die Paketkarten zu gewöhnlichen Selbstbucherpaketen des Inlandsverkehrs fallen weg und 2. Die Paketkarten zu den gewöhnlichen Paketsendungen der übrigen Einlieferer im Inlandsverkehr ohne Nachnahme werden nicht mehr dem Bestimmungspostamt zugeleitet, sondern verbleiben bei den Aufgabe – Postanstalten. 3. Die Vorausbezahlung von Zustellgebühren war nicht mehr möglich. Als Termin für die Neuordnung des Paketverkehrs wird der 1.5.1953 genannt.

 

Damit sind bestimmte Echtheitsmerkmale, die zur Prüfung solchen Belegmaterials dienten, nicht mehr vorhanden. Andererseits ist es für die Fälscher leichter Ganzfälschungen herzustellen und echte Paketkarten zu verfälschen.

 

Vorderseite der Paketkarte „Wechselburg“ über zwei Pakete

 

Rückseite dieser Paketkarte

 

Was ist zu sehen und herauszulesen? Die Paketkarte wurde für zwei Pakete ausgestellt. Dokumentiert ist dies durch die beiden Paketzettel mit den Nummern 493 und 503. Unten links sind die Gewichte der beiden Pakete vermerkt. In dem Kasten „Postgewicht“ 12 kg und darunter außerhalb des Kastens 12,5 kg. Der Aufgabeort der Pakete ist Wechselburg in Sachsen. Der Bestimmungsort eine Firma in Wernigerode. Über dem Kasten Postgewicht ist mit Bleistift schwach einmal 4,40 und 4 vermerkt. Darauf mit Tinte die Summe 8,40. Auf der Rückseite der Paketkarte befinden sich keine postalischen Vermerke. Verklebt ist die MiNr. 379 XI in 10 Exemplaren. Eine wunderschöne, seltene Mehrfachfrankatur!

 

Die Prüfung im Detail beginnt. Die Paketnummern liegen auseinander, was nicht der Norm entspricht; jedoch mindestens ungewöhnlich ist. Die Entfernung vom Einlieferungsort bis zum Auslieferungsort sind etwa 167 km Luftlinie. Damit befinden wird uns in der 3. Entfernungszone. In dieser Entfernungszone werden die beiden Gewichte der Pakete „eingepasst“ und wir erhalten die beiden mit Bleistift vermerkten Zahlen „4,40“ und „4“, was als Freigebühr die Summe 8,40 ergibt. Die Paketkarte ist mit 8,40 DM tarifgerecht frankiert. Auffallend ist, dass die 8,40 mit Tinte geschrieben ist. Die Teilsummen „4,40 und 4“ dagegen mit Bleistift.

 

Abbildung der Tarife der 3. Zone

 

Darüber hinaus wurde offenbar versucht, die Teilsummen wegzuradieren.

 

Der zur Entwertung der Briefmarken verwendete Stempel in Wechselburg ist ein Kreisstegstempel mit Bögen mit dem Unterscheidungsbuchstaben `a` gewesen. Das Stempeldatum ist der 17.11.53. Wechselburg war 1952 ein Zweigpostamt (ZPA) von Rochlitz. 1955 ein eigenständiges Postamt. Dieser „Altstempel“ ist nach dem zweiten Weltkrieg von 1945 bis 1951 nachgewiesen. Er hatte in seiner ersten Form unten mittig und links ein Sternchen. Die Untersuchung der Stempelabdrucke im Vergleich mit Vergleichsabdrucken – der Stempel wurde fünfmal abgeschlagen – zeigt Abweichungen im Stempelbild. Die weitere Analyse ergibt: nachgeahmter Stempel in der Technik Nylonprint.

 

Prüfungsergebnis: Eine Paketkarte, ausgestellt für ein Paket mit einem Gewicht von 12 kg und der Gebühr für die beschriebene Entfernungszone von 4,00 DM wurde manipuliert zu einer seltenen Mehrfachfrankatur indem ein zweites Paket „eingepasst“ wurde, um den Tarif von 8,40 zu erreichen.

 

Vorderseite der Paketkarte Masserberg (Thür) über zwei Pakete

 

Rückseite dieser Paketkarte

 

Was ist bei dieser Paketkarte zu sehen und herauszulesen? Die Paketkarte ist ebenfalls für den Transport von zwei Paketen ausgestellt worden. Der Transport erfolgte laut Paketkarte von Masserberg nach Greiz, wobei der Bestimmungsort Greiz über Umwege ermittelt werden musste (Straßenbezeichnung). Dieser war von der Frankatur überklebt, was wohl beabsichtigt war. Unten links sind die Gewichte 10,5 und 11 kg der beiden Pakete vermerkt. Als Freigebühr sind 4,80 DM ausgewiesen. Die Entfernung von Masserberg nach Greiz beträgt etwa 89 km Luftlinie. Damit befinden wir uns in der 2. Entfernungszone. In dieser Entfernungszone werden die beiden Gewichte der Pakete eingepasst und wir erhalten Gebühren für die beiden Pakete von 2,10 DM, die eine Freigebühr von 4,20 DM ergeben. Die ausgewiesene Freigebühr von 4,80 DM wird nicht erreicht.

 

Abbildung der Tarife in der 2. Zone

 

Zur Begleichung der Gebühr von 4,80 DM wurde MiNr. 403 XII zehnmal vorder- und rückseitig verklebt.

 

Der zur Entwertung der Briefmarken in Masserberg verwendete Stempel war ein Zweikreisstegstempel MASSERBERG (THÜR) b, der neunmal abgeschlagen wurde. Masserberg war 1952 Zweigpostamt (ZPA) von Eisfeld. 1955 ebenfalls ein selbständiges Postamt. Der Teil MASSER von MASSERBERG ist bei jedem Abschlag etwas wässrig verlaufend ausgefallen. Die Ortsbuchstaben zeigen Abweichungen im Vergleich zu Abschlägen vom Originalstempel. Auch dieser Stempel ist eine Nachahmung eines echten Stempels.

 

Prüfungsergebnis: Entweder ist eine Paketkarte, die für zwei Pakete mit den Gewichten 10,5 kg und 11 kg und einer Gesamtfreigebühr von 4,20 DM in der 2. Zone ausgestellt wurde umfrisiert worden, um eine seltene tarifgerechte Mehrfachfrankatur zu erhalten. Dies ist nur nachweisbar, indem die Briefmarken auf der Vorderseite abgelöst werden. Die zweite Möglichkeit ist die, dass eine Blankopaketkarte zu einer „Bedarfspaketkarte“ wurde mit einer seltenen Mehrfachfrankatur, der Fälscher sich aber in den Tarifen bei den Postgewichten irrte.

 

FAZIT

 

Paketgebühren kannten keine Pfennigbeträge. Die Verwendung der MiNr. 379 war tarifgerecht ohne Pfennigbetrag nur möglich mit 4,20 (5 Marken) oder 8,40 DM (10 Marken). Die MiNr. 403 nur in den Tarifen 2,40 (5 Marken) oder 4,80 DM (10 Marken). In der Regel wurden Briefmarken der Mark und Pfennigwertstufen aus Dauerserien verklebt. Als Regel galt allgemein, mit möglichst wenigen Briefmarken die Gebühr abzudecken und die Bezahlung auf den Paketkarten nachzuweisen.

 

Da das Belegsammeln von nicht alltäglichen Frankaturstufen in den letzten Jahren einen Aufschwung erfahren hat und mit der Sozialphilatelie ein weiterer Sammleraspekt hinzukommt, ist mit weiteren – auch noch raffinierter ausgeführten – Fälschungen und Fälschungsarten zu rechnen.

 

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